Ich habe begonnen, ein neues Buch zu schreiben. Also eigentlich hatte ich damit schon vor Monaten begonnen, bin dann in der Mitte stecken geblieben und habe diese Woche noch einmal neu angefangen. Wenn man eine „Schreibblockade“ hat – oder wie auch immer man es nennen will, wenn man einfach nicht weiter kommt – dann höre ich oft den Rat, einfach weiterzuschreiben: sich zum Tippen zu zwingen, bis es wieder von selbst läuft. Und auch wenn ich glaube, dass diese Disziplin dazu gehört, hilft bei mir am besten das, von dem viele abraten: aufhören. Das Problem damit ist, dass man natürlich nicht komplett aufhören will, sondern vielleicht nur für ein, zwei Wochen, bis man herausgefunden hat, wo das Problem liegt oder sich die eigene Perspektive auf das Projekt verschoben hat. So läuft man aber natürlich Gefahr, das Interesse zu verlieren und sich direkt in das nächste Projekt zu stürzen, bei dem man dann auch wieder mittendrin steckenbleibt – und so weiter. Die Kunst ist meiner Meinung nach also (und diese Meinung ändert sich mit jedem Projekt ein bisschen, um ehrlich zu sein) – sich selbst von der Leine zu lassen, aber im Auge zu behalten. Nicht komplett loszulassen, sondern eine Zeit lang an andere Dinge zu denken, um dann zum Schreibtisch zurückzukehren. (Übrigens glaube ich, dass das bei allen Formen von Kreativität hilft, ob das jetzt schreiben, zeichnen, komponieren oder was ganz Anderes ist).

Jetzt sitze ich also nach ungefähr einem Monat wieder am Schreibtisch und schreibe diesen Blog-Artikel, statt an meinem Projekt zu arbeiten. Nennen wir es einen sanften Start. Ich habe in den letzten zwei Tagen schon ein paar Notizen gemacht – und dabei kommt jetzt auch wieder die Disziplin ins Spiel:

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine halbe Stunde an dem Projekt zu arbeiten, egal, ob es läuft oder nicht. Das heißt, 30 Minuten ohne Ablenkung vor dem weißen Blatt sitzen – und wenn es nach dieser Zeit immer noch leer ist, dann ist das so – aber tatsächlich ist das in den letzten Tagen nicht passiert. Wenn ich „weißes Blatt“ sage, dann meine ich das tatsächlich auch so. Ich möchte zunächst von Hand schreiben (und wer meine Handschrift kennt, der weiß, wie wahnsinnig das ist). Der Grund ist ganz einfach: Ich habe mein Schreiben über die letzten Jahre stark optimiert, 1000 Wörter in 20 Minuten zu tippen wurde irgendwann Standart. Das hat aber dazu geführt, dass ich immer mehr auf Wörterzahlen geachtet habe und es nicht mehr über mich bringen konnte, Szenen, die mir nicht so gut gefallen haben, wieder aus dem Manuskript zu löschen. Deswegen habe ich jetzt beschlossen, so etwas wie Slow Writing zu zelebrieren. Wort für Wort, Satz für Satz, von Hand. Damit ich das später auch wieder entziffern kann, muss ich noch langsamer werden. Ich werde nicht kontrollieren können, wie viele Wörter ich schon geschrieben habe und erhoffe mir davon einen stärkeren Fokus auf die Geschichte, die ich erzählen will und mehr Spaß am Prozess, nicht am Produkt. Außerdem, sind wir mal ehrlich, wenn ich am Laptop sitze, ist Google nur einen Klick entfernt – so schütze ich mich ein bisschen vor mir selbst.

Jetzt aber schnell den Laptop gegen Papier tauschen, bevor ich losmuss.